Ausflug zur Pestkapelle St. Sebastian in Wackersberg

Die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB) Penzberg unternahm am 26. Juni 2026 einen Ausflug nach Wackersberg. Dabei besuchte sie die Pestkapelle.

Die Pestkapelle St. Sebastian, auch Lehenkirchl genannt, befindet sich im Ortsteil Lehen der Gemeinde Wackersberg im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Der kleine Sakralbau liegt am Rand der Flur nahe dem Wald und gehört zu den örtlich bedeutsamen Kapellen des Isarwinkels. Nach überlieferten Angaben wurde die Kapelle im 17. Jahrhundert, wohl um 1635/40 beziehungsweise 1638, als Votivkapelle errichtet. Sie steht damit im Zusammenhang mit einem Gelübde der damaligen Bevölkerung.

Der historische Hintergrund wird mit der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg und einer Pestepidemie in Verbindung gebracht. Der Überlieferung zufolge war besonders das Wackersberger Viertel betroffen. Die Toten sollen beim Lehen auf einem eigenen Pestfriedhof bestattet worden sein. In dieser Lage gelobten die Bewohner, dem heiligen Sebastian eine Kapelle zu errichten, falls die Seuche ende. Der heilige Sebastian wurde in der katholischen Volksfrömmigkeit seit Jahrhunderten als Schutzheiliger gegen Seuchen angerufen.

Zur Entstehung der Kapelle ist eine örtliche Sage überliefert. Danach sollte der Bau zunächst an einem Platz am Bach erfolgen. Beim Fällen der Bäume seien jedoch blutige Scheite zum Vorschein gekommen; Tauben hätten diese zum Pestfriedhof getragen. Dieses Ereignis sei als Zeichen gedeutet worden, woraufhin die Kapelle am heutigen Standort errichtet wurde. Der Bau ist schlicht ausgeführt und besitzt einen kleinen Dachreiter mit Zwiebelhaube.
Die Pestkapelle ist bis heute Teil der örtlichen Erinnerungskultur. Sie wird von Einheimischen und Besuchern als Andachts- und Erinnerungsort wahrgenommen. Zudem ist sie mit örtlichen Bräuchen verbunden, darunter Bittgänge und der Wackersberger Leonhardiritt. Für die Ortsgeschichte von Wackersberg ist St. Sebastian in Lehen ein Zeugnis für den Umgang früherer Generationen mit Seuchen, religiösen Gelübden und gemeinschaftlicher Erinnerung.

Bild & Text: Michael Schmatz