Ausflug zur Pestkapelle in Lehen bei Wackersberg

Am 26. Juni 2026 unternahm die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB) Penzberg einen Ausflug zur Pestkapelle in Wackersberg.

Zwischen Wackersberg und Bad Tölz, im Ortsteil Lehen, steht eine kleine Kapelle, die auf den ersten Blick unscheinbar wirkt und doch tief in der Geschichte des Isarwinkels verwurzelt ist: die Pestkapelle, auch Lehenkirchl genannt. Sie erinnert an eine der dunkelsten Zeiten der Gemeinde, an die Pestjahre während des Dreißigjährigen Krieges, und ist bis heute ein Ort des Gedenkens, des Gebets und gelebter Tradition.


Historischer Hintergrund

Die Pest traf Wackersberg in den Jahren 1634/35 besonders schwer. In der Überlieferung heißt es, dass damals ein großer Teil der Bevölkerung der Seuche zum Opfer fiel. Die wenigen Überlebenden bestatteten die Toten in einem großen Hügelgrab bei Lehen. Wenige Jahre später, 1638, wurde an dieser Stelle die Pestkapelle errichtet. Sie gilt damit als steinernes Zeugnis einer Katastrophe, die sich tief in das Gedächtnis der Dorfgemeinschaft eingeprägt hat.
In manchen Beschreibungen wird das Baujahr auch mit 1635/40 angegeben. Sicher ist: Die Kapelle entstand im unmittelbaren Zusammenhang mit der Pestzeit und mit dem Gelübde der Wackersberger, den heiligen Sebastian um Fürbitte zu bitten. Der Sebastianstag am 20. Januar blieb deshalb über Jahrhunderte hinweg ein besonderer Gedenk- und Bettag.

Die Sage von der Entstehung

Um die Pestkapelle rankt sich eine eindrucksvolle Sage. Als nach dem Abzug der Kriegsvölker das große Sterben begann, durften die Menschen kaum noch Handel treiben oder in den Markt nach Tölz gehen. Besonders stark soll die Krankheit im Wackersberger Viertel gewütet haben. Weil bei der Kirche kein Platz mehr war, wurden die Toten auf einem sogenannten wilden Friedhof auf dem Lehen bestattet.

Die Wackersberger gelobten, dem heiligen Sebastian eine Kapelle zu bauen, falls das Sterben ende. Zunächst wollten sie dafür einen Platz unten am Bach wählen. Doch der Sage nach färbten sich die abgeschlagenen Holzscheite blutig, und Tauben trugen sie zum Pestfriedhof. Daraufhin wurde die Kapelle dort errichtet, wo die Toten lagen. Die Erzählung verbindet historisches Leid mit religiöser Deutung und erklärt, warum gerade dieser Ort bis heute als besonders bedeutsam gilt.

Architektur und Lage

Die Kapelle liegt in Lehen, an der Lehenstraße, auf einer kleinen Anhöhe beziehungsweise am Rand der Wackersberger Landschaft. Sie ist eine schlichte Landkapelle mit einem Dachreiter auf dem Westgiebel und einer charakteristischen Zwiebelhaube. Gerade ihre Einfachheit macht ihren Reiz aus: Sie fügt sich still in die Umgebung ein und verweist weniger auf Prunk als auf Erinnerung, Dankbarkeit und Volksfrömmigkeit.

Lebendige Traditionen

Die Pestkapelle ist nicht nur ein historisches Denkmal, sondern bis heute in das religiöse Leben der Gemeinde eingebunden. Alljährlich beginnt die Pfarrei Wackersberg am 1. Mai mit einem Bittgang zur Kapelle den Marienmonat. Außerdem findet im Ortsteil Lehen traditionell der Leonhardiritt statt: Reiterinnen und Reiter umrunden die Kapelle dreimal, während Pferde und Menschen gesegnet werden. So bleibt die Kapelle ein Ort, an dem Geschichte und Brauchtum zusammenkommen.

Bild & Text: Michael Schmatz

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